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Lehrfilm: Wir Europäer - Das 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert führen die Europäer sowohl im Namen der Freiheit des Einzelnen als auch um die des Volkes heftige Kämpfe. Herrschaftssysteme und Gesellschaftsordnungen werden gründlich verändert, erste Demokratien entstehen und neue Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Gemeinwohl prägen die europäische Mentalität nachhaltig. Frankreich gilt seit der Revolution von 1789 als Mutterland der Freiheitsbewegung. In Paris ertönt der Ruf "Die Natur hat die Menschen frei und gleich geschaffen".
Vorläufer dieses Freiheitskampfes werden in England ausgefochten. Dort fordert Oliver Cromwell, geboren 1599 in Huntingdon, eine dauerhafte Repräsentation des neuen Bürgertums im Parlament. Ohne dessen Zustimmung sollen Beschlüsse des Königs keine Gültigkeit haben. Er kämpft gegen einen uneinsichtigen, absoluten Herrscher "von Gottes Gnaden", der keine Einschränkung seiner Machtbefugnis duldet. Als Charles I. sich weigert, erzwingt Cromwell mit seiner "New Model Army" seine Ziele, klagt den König des Hochverrats an und lässt ihn hinrichten. Damit gibt es in Europa zum ersten Mal eine Regierung ohne Monarchen. In Frankreich setzen die Revolutionäre ihre Forderungen ähnlich konsequent um. Das Herrscherpaar Ludwig XVI. und seine Frau Marie Antoinette sterben unter der Guillotine.
Die Philosophie der Aufklärung geht davon aus, dass die Menschen von Natur aus gleich sind, dass nur die Gesellschaft die Menschen ungleich macht. Doch auch die Revolutionen des 18. Jahrhunderts sorgen nicht für vollkommene Gleichberechtigung. So haben Frauen nach wie vor bedeutend weniger Rechte als Männer. Dagegen wehrt sich Marie Gouze, geboren 1748 in Montauban. Durch öffentliche Auftritte, Reden, Plakataktionen und Theaterstücke macht sie den vorwiegend männlichen Verwaltern der Revolution deutlich, dass der Freiheitsbegriff auch für Frauen gelten muss. Sie kämpft gegen die "herrschenden Verhältnisse" im doppelten Wortsinn: gegen die Machthaber aus Monarchie, Aristokratie und Klerus und gegen Männer, die Frauen, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Position, keinerlei Rechte zugestehen. Doch ihre "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" von 1791 findet erst im 20. Jahrhundert Eingang in die Verfassungen Europas. Marie Gouze wird im Terrorjahr 1793 auf dem Schafott hingerichtet.
Die Demokratisierung Europas setzt sich weiter fort. Der Mensch soll nur noch dem eigenen Willen gehorchen und nicht länger fremden Einflüssen unterworfen sein. Dieser Auffassung ist auch der polnische Freiheitskämpfer Tadeusz Kosciuszko. Inspiriert von Studienaufenthalten in Frankreich und praktischen Erfahrungen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, kämpft er in Polen gegen die Privilegien des Adels. Als Preußen und Russland den polnischen Versuch einer freiheitlichen, republikanischen Verfassung durch eine Invasion beenden, fordert Kosciuszko mit dem von ihm organisierten Aufstand die Freiheit der Nation - erfolglos. In der Schlacht von Maciejowice 1794 wird er verwundet und gerät in russische Gefangenschaft. Doch er bleibt ein Beispiel dafür, dass die persönliche Freiheit Motor für die Freiheit des Volkes sein kann. Volkssouveränität statt Herrscherwillkür setzt sich nach und nach durch. Und statt Zensur gilt Meinungs- und Pressefreiheit.

Jahr: 2009
Laufzeit: 45 Minuten
Empfehlung: Schulempfehlung
Zielgruppe: Mittelstufe, Oberstufe
Sprachfassung: Deutsch
FSK: Infoprogramm

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